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Ankündigung: 16. StadionGespräch An der Alten Försterei mit Peter Ducke

Peter Ducke, ein deutscher Fußballer, der seine Gegner und seine Fans das „GRUSELN“ lehrte. Die ganz absichtsvoll gewählte Analogie zu den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm berücksichtigt, dass mit dem Begriff „Gruseln“ hier eine Redewendung aus dem Volk zu finden ist, die ursprünglich das „Prickeln der Haut“ meint. Und nichts anderes war es, was Peter Ducke bei Freund und Gegner grandios zu erzeugen wusste. Aber, da prickelte nicht nur die Haut schlechthin, da vibrierten die Körper aller am Spiel mittel- oder unmittelbar Beteiligten.

Menschen, die den Fußball liebten, wurden in Gänze erfasst von Peter Ducke und seiner ihm eigenen Auffassung von Fußball, egal ob sie für oder gegen ihn waren. Die Menschen, die Fans, die Fußballliebhaber konnten sich auf diese Weise selbstbestimmt entscheiden und Partei  ergreifen, ohne Gefahr zu laufen, von einer Partei gelenkt zu werden. Sie durften spontan und individuell sein, so wie sie es selber wollten. Zugleich liebten es die Fans aber auch, in den Stadien Gemeinschaft zu erleben und allwöchentlich massenhaft die Gesellschaft als Ganzes zu spüren, wo sie doch im Alltag eher auseinander zu fliegen drohte und dann auch flog, weil sie gespalten wurde durch Widersprüche, Egoismen oder menschliche Unzulänglichkeiten. Eine Beobachtung, die der Fußball ermöglicht, zu allen Zeiten und nahezu systemübergreifend.

Und, wenn es beim fußballerischen Wettstreit auch stets um Abgrenzung und Gegensatz sowie um  Gewinner und Verlierer geht, entstehen dabei aber zugleich diese besonderen, die magischen Momente des Fußballs, zu denen eben Sieg und Niederlage gehören. Denn auch die Niederlage kann großes Kino sein (Sönke Wortmann). Sie schafft Gemeinschaft, Solidarität und schmiedet zusammen, genauso wie der Sieg, nur anders.

Was ist das nun genau: Peter Duckes eigene Auffassung von Fußball? Und wann erfassen dieser Fußball und seine herausragenden Protagonisten die Menschen, so wie es ein Peter Ducke konnte?

Im Grunde steht hier die Frage nach der Natur des Fußballs, dem Ursprünglichen, dem Unverfälschten, dem Unvorhersehbaren der Aktionen auf dem Rasen, der Spannung, der Dramatik und den Emotionen, die ganz ohne Drehbücher entstehen. Es sind Schöpfungen aus dem Moment heraus. Das kann man unumwunden Fußballgenialität nennen und Peter Ducke hatte sie. Was war bei ihm das Geniale? Woher kam das, wer hat es gefördert und beeinflusst? Wer hat hier befördert, ohne es zu wollen oder eher zu hindern gesuchte? Da muss offensichtlich in verschiedene Richtungen gefragt werden, um Antworten zu finden.

Zum Beispiel Goethe, der hat doch zu Allem im Leben etwas beizutragen. Frei nach Johann Wolfgang könnte es heißen: Vom Vater hab ich die Statur und von Mütterlein die frei Natur. Peter Ducke kommentierte das wie folgt: „Ich bin erzogen worden wie ein Vogel in den Rocky Mountains: keine Prinzipien, keine Festlegungen.“ Sein älterer Bruder Roland hatte da anderes beobachtet: Von den Schülern bis zu den Junioren habe es damals nie im heutigen Sinne einen Trainer gegeben. „Und so war das ein Vorteil, dass wir selber etwas machen wollten... Ich hatte es eben. Und Peter hatte es auch gehabt.“

Thomas Stridde, gibt in seinem Buch „Peter Ducke - Held und Rebell“ zu bedenken: „Und doch ist offenbar auch von Beginn an ein Schuss Unerklärliches, ein Schuss Magisches dabei gewesen.“ Ähnlich denkt Hans Meyer, Duckes Cheftrainer Nr. 2, natürlich hintergründig, eben typisch Hans Meyer: „Vielleicht ist das, was im Leben nicht immer positiv ankommt, das Positive für den Instinktfußballer Peter Ducke. Dieses Spontane. Dieses Ursprüngliche. Dieses Sprunghafte.“

Gut, einen kleinen Eindruck vom Thema haben wir jetzt bekommen. Dazu muss Peter Ducke im StadionGespräch An der Alten Försterei weiter befragt werden.

Und ein spezieller Programmpunkt im Gespräch mit Peter Ducke soll hier noch angekündigt werden. Peter war immer, aber besonders auf dem Spielfeld, überaus extrovertiert. Sein eigener Kommentar dazu: „Es ist alles eine Frage der Gestik und Mimik, weil man mich sonst nicht versteht.“ Andere schrien ihm entgegen: „Du Schauspieler!“ Im Gespräch werden wir nachprüfen, was der Ducke davon noch drauf hat. Er wird in einen Dialog verwickelt zwischen einem Schauspieler den sie Garrincha und einem Instinktfußballer den sie Schauspieler nannten: Andreas Schmidt-Schaller vs. Peter Ducke. Zwei Verrückte im schönsten Sinne des Wortes, die Jahrzehnte nur wenige Kilometer voneinander entfernt lebten (Jena/ Gera) und sich erst 2002 trafen und seitdem Freunde sind.

Zum 16. StadionGespräch An der Alten Försterei werden wir damit auch zwei überaus streitbare Zeitgenossen begrüßen, mit denen wir entlang ihrer Biografien kritische und differenzierte Blicke auf und hinter sportliche, kulturelle, historische und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen richten wollen. Und selbstverständlich wird es sehr angeregte Gespräche mit allen Anwesenden geben.

Datum: 27. Oktober 2016
Uhrzeit: 18:30 Uhr Einlass / ca. 19:00 Uhr Beginn
Ort: Stadion An der Alten Försterei, An der Wuhlheide 263, 12555 Berlin

Eingeladen sind die Sponsoren und wirtschaftlichen Partner des 1. FC Union Berlin.
Teilnahme nur mit Anmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! möglich.


Peter Ducke wurde am 14. Oktober 1941 im Sudetenland in Bensen (das heutige Benešov nad Ploučnicí) geboren. Die Familie ließ sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Schönebeck (Elbe) nahe Magdeburg nieder. Seine Laufbahn als Fußballer begann er 1950 bei der Betriebssportgemeinschaft Motor Schönebeck in der damaligen Landesliga Sachsen-Anhalt. Nachdem er 1957 im Probetraining beim DDR-Oberligisten SC Motor Jena zunächst noch nicht überzeugen konnte, gelang ihm nach fünf erfolgreichen Einsätzen in der DDR-Juniorenauswahl 1959 der Wechsel nach Jena. Dort erzielte er zwischen 1959 und 1977 (später beim FC Carl Zeiss Jena) 207 Tore in 466 Spielen. In insgesamt 548 Einsätzen national und international traf er 225 mal ins Tor. Ihm gelangen sieben Hattricks, er war Torschützenkönig (1963), Sportler des Jahres (1965), Fußballer des Jahres (1971), gewann die Bronze-Medaille bei den Olympischen Sommerspielen (1972), wurde in die „ewige DDR-Elf“gewählt (1989) und wurde als einziger Spieler aus der ehemaligen DDR im Jahre 1999 als „Spieler des Jahrhunderts“ (Rang 9 gemeinsam mit Jürgen Klinsmann) ausgezeichnet. Peter Ducke, den niemand Geringerer als Pelé „zu den zehn Besten der Welt“ zählte, gehört damit zu den bedeutendsten deutschen Fußballern aller Zeiten.

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